Väter fehlen

Väter machen Fehler und sie fehlen im Alltag ihre Kinder. Sie tun oder lassen Dinge, ohne dass ihnen die Wirkung auf die Seele ihrer Töchter und Söhne bewusst ist. Im Herzen lieben sie ihre Kinder, das ist ein Naturgesetz. Manche können diese Liebe nicht spüren, zu tief sind die Verletzungen ihrer Unschuld aus der eigenen Kindheit. 

Die persönliche Geschichte eines Vaters im Kontext einer über Jahrtausende dauernden patriarchalen Entfremdung der Kindern von ihrem göttlichen Kern, seine Gewalterfahrungen mit dem eigenen Vater oder der Mutter, Gefühle von Schuld und Scham aus unzähligen Demütigungen und das unbewusste Erbe der unbeweinten Traumas seiner Ahnen gilt es zu würdigen, wenn das Fehlen der Väter betrachtet wird. 

Väter schreien. Es ist ein Zeichen der Ohnmacht, wenn sie ihre Kinder anbrüllen. 

Väter demütigen. Du kannst nichts. Sei still. Du hast hier gar nichts zu melden. Hör auf zu heulen.  Jedes Schimpfwort ist ein kränkender Nachhall aus Mündern der Bezugspersonen ihrer Kindheit.

Väter leisten. Sie leisten viel im Job und fehlen gleichzeitig im Alltag der Kinder, wenn sie spät nach Hause kommen und früh gehen. Es braucht mehr als das Auszahlen von Elterngeld, wenn Väter sich unter der Woche mehr um ihre Kinder kümmern sollen. Es braucht ein Feld, das dieses Rollenverhalten auf gesellschaftlicher Ebene trägt.  

Väter hauen ab. Sie verlassen ihre Kinder aus unterschiedlichen Gründen. Sie suchen Arbeit in der Fremde. Sie verlieben sich neu. Sie werden von Konkurrenten verdrängt. Sie missbrauchen ihre Macht und lassen ihre Frauen nach dem Motto sitzen: Ich wollte das Kind nicht, sieh zu wie du klarkommst. Das dies ein Ausdruck tobender Ohnmacht, ein unbewusster Racheakt am Weiblichen, eine unreife Verweigerung von männlicher Verantwortung und eine Kränkung ihre Herkunftsfamilie ist, verdrängen sie in das Schattenreich ihrer Seele. Sie geben so die Wunden weiter, an denen sie selbst leiden. 

Väter werden geschieden. Eine andere Form der Rache ist die der Mütter, wen sie nach einer Scheidung ihre Kinder dem Vater vorenthalten oder schlecht über ihn reden. Sie ahnen nicht, wie sehr sie sich selbst und ihre Kinder schwächen, wenn sie den Zugang zur männlichen Wurzel ihrer Töchter oder Söhne blockieren.

Väter sterben. Männer leben mit dem Risiko. Sie sterben an Berufskrankheiten, in Kriegen, nehmen sich das Leben selbst oder lassen es bei Verkehrsunfällen. Manche Väter sind atmende Tote. Sie leben kein Leben sondern fristen ein Dasein. Eingesperrt in ein inneren Gefängnis fremder Rollenerwartungen. 

Väter leiden. In stillen Stunden bereuen sie ihr Fehlen. Gleichzeitig schaffen sie es nicht, neu auf ihre Kinder zuzugehen und mit langem Atem eine Versöhnung zu begleiten. Zu tief sitzen Gefühle von Schuld, Scham und Stolz.