Opa und der Krieg


Wenn der Krieg der Vater aller Dinge sein soll, dann ist der Frieden die Mutter allen Daseins. 

Dinge vergehen, Dasein verweilt. 

Carsten Schubert


Unsere Großväter und deren Väter sind seit Generationen in einer Kultur
 der Zurichtung und 
Gewalt aufgewachsen. Härte gegen sich, unzählige Demütigungen und Schläge führten zur Entfremdung der Jungen. Sie sollten gute Staatsbürger und Soldaten werden, für Volk und Vaterland ihr Leben einsetzen.

Seit tausenden Jahren ziehen die Väter des Patriarchat
in den Krieg. Getrieben von zeitgeistlichen Rollenbildern und Erwartungen an Männlichkeit zogen sie aus, ihre Nachbarn und die Natur zu unterwerfen.

Frauen, Kinder und die Männer selbst haben unermeßliches Leid in jenen Kriegen erlitten. Dieses Trauma ist uns als Menschen der Moderne im Erbgut gespeichert. 

Heute fragen wir uns: Gab es friedlichen Zeiten ohne Gewalt gegen Frauen, Kinder und Nachbarn? Die versöhnliche Antwort lautet: Ja! Das Erbe des Friedens im
Matriarchat ist älter als das des Krieges.




Die Vaterbilder unserer Väter






Der patriarchale Vater


Der Vater als Hausherr,
Priester und Richter ist das Vaterbild des Patriarchats, das über hunderte Generationen an Töchter und Söhne weitergegeben wurde. Was der Vater sagte, war Gesetz.






Der wilhelminische Vater


Für Kaiser und Vaterland. Mit wehenden Fahnen zogen die Männer des 1. Weltkrieges in die Schlachten der Moderne. Der technische Fortschritt machte aus Gewehren Maschinen und den
Tod von Millionen Vätern zum patriarchalen Kalkül
. Das Leid prägte die Kinder dieser Zeit.






Der soldatische Vater


Für Volk und Vaterland
 marschierten die Kinder des ersten Weltkrieges als junge Soldaten in den zweiten. Die Traumaforschung nennt den Gewaltausbruch des 2. Weltkriegs heute einen „
kollektiven Schattendurchbruch„.






Der tote Vater


2000 Männer starben in Deutschland im Durchschnitt an jedem Kriegstag
 über sechs lange Jahre. Millionen Väter, Brüder und Onkel aus anderen Ländern ließen ebenfalls ihr Leben. 




Der gefangene Vater


Nach dem Krieg blieben drei Millionen deutsche Soldaten in alliierter Gefangenschaft. In der sowjetischen Besatzungszone verschwanden tausende Väter in russischen Speziallagern oder sibirischen Arbeitslagern. Erst 1955 kamen die letzten 10.000 Gefangenen frei.






Der arbeitende Vater


Wiederaufbau in der Welt, das Wirtschaftswunder im Westen und der Arbeiter- und Bauernstaat im Osten Deutschlands banden die Kraft der Väter. Samstagsarbeit gehörte dazu. Der abwesende Vater, der lange auf der Arbeit ist und schweigend am Tisch sitzt, wird zum Symbol der Jahrzehnte der Nachkriegszeit.